Tread lightly, take only pictures, leave only footprints, kill only time.

Jeder Lost Place ist wie eine Zeitkapsel, wie ein Stück Vergangenheit. Man betritt ihn und lässt dabei die Gegenwart hinter sich zurück. Man steht plötzlich in einer eigenen Welt, deren Protagonistinnen schon verblichen sind. Nur ihre Spuren sind noch übrig, sei es ein Kistchen voll Knöpfen, Postkarten aus Ländern, deren Grenzen sich längst geändert haben, oder ein Foto von Menschen, an die sich niemand mehr erinnert. Für seine Besitzer einst Wertvolles liegt achtlos im Staub. Bruchstücke von Geschichten entspinnen sich. Fragen hängen unbeantwortet in der Luft. Melancholie erfüllt die verlassenen Räume ebenso deutlich spürbar wie der Geruch von Staub und Moder, wie das Spinnennetz im Haar, der Taubenkot unter den Schuhen. Andere Gebäude sind völlig erfüllt von der Leere, welche die einstigen Bewohnerinnen hinter sich zurückgelassen haben – Hüllen ohne Inhalt, stumme Zeugen der Vergänglichkeit. Manchmal bricht die Gegenwart herein, in Form von Getränkeflaschen, Graffitis oder Schlaflagern mengt sie sich unter das Jenseitige. 

Beim Verlassen des Gebäudes fällt die Schwermut ab. Man kehrt in die Gegenwart zurück. Das Leben begrüßt einen an der Pforte. Man tritt aus dem Dämmerzustand der Vergangenheit wieder ins Licht.